Texterella

Dienstag, 11. Februar 2014

Wir Wimperntierchen

Eine Umfrage unter 6.000 Frauen will zutage gefördert haben, was unsere Beauty-Essentials sind: Am wichtigsten ist uns danach ein Keramik-Haarglätter, gefolgt von Push-up-BHs, Einwegrasierern und Trockenshampoos. Selbstverständlich hat mich dieses Ergebnis (Haarglätter! Trockenshampoos!) so irritiert, dass ich den Gegenbeweis antreten musste: Für drei von drei besten Freundinnen ist danach das wichtigste Schönheitsutensil die Wimperntusche. Sag ich doch.

Erfunden hat die schwarze Paste vor genau 100 Jahren ein amerikanischer Chemiker. Und zwar für seine Schwester, die mithilfe von Kohlestaub und Vaseline ihren Angebeteten bezirzte – erfolgreich. An dieser Methode hat sich bis heute nicht viel geändert. Ohne Mascara ist ein Liebesleben bestenfalls für rassige Südamerikanerinnen denkbar. Und für Tilda Swinton. Der ganze Rest der weiblichen Welt braucht die Tusche für die Wimpern wie das Kleid zum Ausgehen. Ohne sind wir nackt und haben den Blick eines Albino-Kalbes. Erst die Mascara macht uns zu unwiderstehlichen Bambis mit XXL-Augenaufschlag. Size matters halt doch.

Etwa 200 Millionen Euro Umsatz wird jährlich mit unseren Wimpern erzielt. Das macht bei den zirka 30 Millionen deutschen Frauen zwischen zehn und siebzig knapp 7 Euro pro Frau und Jahr. Und etwa 1 Cent pro Wimper! Um diesen 1 Cent hat die Beauty-Branche in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein ganzes Wimperntusche-Universum kreiert. Was es da nicht alles gibt: gebogene Bürstchen, rotierende Bürstchen, Kugelbürstchen, Spiralbürstchen. Doppelhelix-Bürstchen! Weiße Mascara zum Grundieren und lichtreflektierende Tusche für intensive Strahleaugen. Oder ein bisschen Glitzer für die Spitzen? Ja, sogar Spezialtusche für die untere Wimpernreihe und ein Wimperntuschevibrator werden uns angeboten. Alles im Kampf gegen Fliegenbeine und für Endloswimpern! Die Welt ist voller Luxusprobleme.

Youtube spuckt unter dem Stichwort „Mascara“ übrigens zwei Millionen Tusch-Tutorials aus. Mit den Wimpern klimpern müssen wir dann aber doch noch selbst.

Die Kolumne erschien am 31. Januar 2014 in der WELT kompakt (print und online).

# 11. Februar 2014 um 16:58 Uhr

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