Texterella

Montag, 16. Mai 2011

Sag niemals nie.

Hässlich kann so schön sein. So sexy. Und so erfolgreich. Das wissen wir spätestens seit Barbara und Bette. Seit Jean-Paul und Gerard. Mick Jagger. Beth Ditto. Dem 2CV, Pril-Blumen und Leggings. Seit Männern mit Segelohren und Frauen mit Silberblick. Und seitdem Australien uns mit Lammfellstiefeln beliefert, die aussehen wie ein Babyelefantenfuß.

Sie ahnen, um was es geht?

Genau. Es geht um UGGs. Diese formlosen Lammfellstiefel mit flacher Sohle und einer Optik zwischen beheizbaren Fernsehstiefel und Moonboots. Und mit X Millionen verkauften Paar weltweit.

UGG kommt übrigens nicht von „ugly“. Auch wenn es durchaus vorstellbar wäre. Und natürlich zu gerne kolportiert wird. Zumindest von der einen Hälfte der Menschheit. Die Trampletten aus Downunder kennt nämlich nicht nur jeder, es hat auch jeder eine Meinung – und die spaltet die Welt in zwei Lager: Man liebt sie. Oder man hasst sie. Man findet sie supertoll. Oder ganz furchtbar. Indifferenz in Sachen UGGs? Gibt es nicht. Toleranz auch nicht. Gleichgültigkeit? – vergiss es! Hier gibt es nur „hot“. Oder „not“. Daumen oben – oder unten. „Like“. Oder „dislike“.

Stiefel ohne Grauzone, ohne Kompromisse, ohne Zwischentöne. Dafür aber mit jeder Menge wunderbarem Lästerpotenzial: Was täten die Pams und Paris’ dieser Welt ohne ihren lammfelligen Klumpfußschuh? Ja, und was würden all die Paparazzis fotografieren, Promigazetten schreiben, Modeblogger bloggen. Oder Kolumnistinnen glossieren? Über was könnte man sich beim Frisör unterhalten? Beim Après-Ski? Beim Mädelsabend? Auf der Party, wenn einem die Themen ausgehen? Oder angesichts der UGG tragenden neuen Freundin des Ex? Ergo: Selbst wenn wir sie hassen, müssen wir dankbar für sie sein. Dafür, dass sie erfunden wurden. Dass sie die Wirtschaft ankurbeln und Druckmaschinen antreiben. Und für Gesprächsstoff sorgen.

UGGs sind aber noch mehr. Mehr als schön hässlich. Oder ein crossmedialer Spaß- und Wirtschaftsfaktor. Sie sind eine Droge. Das Heroin der Schuhmode. Denn sie machen süchtig – gleich beim ersten Schlupfen. Einmal angezogen, will man sie nie wieder ausziehen. Was verständlich ist, denn man geht wie auf Wolken. Schäfchenwolken. Sie klimatisieren, riechen immer nach frisch gewaschenem Lämmchen und Kenner tragen sie übrigens ohne Socken. Wer ihnen nicht verfallen will, darf sie niemals auch nur anprobieren. Denn dann wird er sie nie wieder hergeben.

Woher ich das weiß?

Nun, aus Erfahrung.

# 16. Mai 2011 um 12:19 Uhr

Kommentare:

  1. Ich glaube, in diesem Winter wird auch mein UGGs-Stündlein schlagen, denn Deine Kolumne hat mich gerade noch einmal sanft daran erinnert, dass ich die Dinger endlich unbedingt haben muss ... :-)

    Daniela am Mittwoch, 19. Oktober 2011 um 14:14 Uhr
  2. Ich habe auch UGGS, aber ein etwas weniger hausschuhige Form. :-)

    Susi am Mittwoch, 19. Oktober 2011 um 22:05 Uhr
  3. schöner text!
    hoffentlich kannst du irgendwie dagegen vorgehen: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_lifestyle/article111174022/Haessliche-Schoenheit.html

    tanja am Sonntag, 25. November 2012 um 16:09 Uhr
  4. Schade, auf der Welt-Seite ist die Kommentar-Funktion (vielleicht aus diesem Grund) gesperrt…

    Tina am Sonntag, 25. November 2012 um 17:59 Uhr
  5. Na Glückwunsch zum Happy-End

    Daniel am Montag, 26. November 2012 um 22:38 Uhr

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